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Ayurveda & Ernährung: 10 Empfehlungen für ein fabelhaftes Verdauungsfeuer

Nahrung ist Liebe, sich gut zu nähren bedeutet sich zu umsorgen und ist ein Akt der Selbstliebe. Kaum eine andere Zeit zeigt uns dies so deutlich, wie rund um die Weihnachtsfeiertage. Ich für meinen Teil bin im wahrsten Sinne des Wortes erfüllt von mit Liebe zubereiteten Speisen, deftig, fettreich und süß, üppige Hausmannskost, die mich an meine Kindheit erinnert.


Ganz ehrlich, ich schreib die Zeilen hier an 5. Tag des neuen Jahres und ich muss sagen, wir haben die Festtage wahrlich gefeiert, wir haben geschlemmt und gelebt wie die Göttin in Frankreich!

Dass mein Agni, mein Verdauungsfeuer, trotz all der Herausforderungen so einigermaßen gut mithalten konnte, lag daran, dass ich mich an das hielt, was man als gute ayurvedische Rahmenbedingungen einer Mahlzeit bezeichnen könnte.


Im Ayurveda gibt es einen sehr individuellen Zugang zum Thema Ernährung und wenn es darum geht, welche Form der Nahrung uns gut tut.


Was für eine Person goldrichtig ist, mag bei einer anderen zu Verdauungsstörungen, Unwohlsein und langfristig zu verschiedenen Erkrankungen führen.

Es gibt allerdings auch eine Reihe von allgemein gültigen und für alle stimmige Ernährungsempfehlungen, die sich vielmehr auf das WIE als auf das WAS wir essen beziehen. Ein gesundes, typgerechtes, genau für Dich und Deine Situation passendes Essen wird dir dennoch schwer im Magen liegen, wenn Du es beispielsweise unter Stress zu Dir nimmst.

Wir alle wissen, dass der Akt des Essens so viel mehr ist als eine bloße lebenserhaltende Nahrungsaufnahme. Anderenfalls hätten wir nicht Bibliotheken füllende Mengen an verschiedener, einander widersprechender Ernährungsratgeber, von denen uns jeder etwas völlig anderes erzählt und Ernährungs-Trends, die sich gefühlt im Halbjahresrhythmus ändern.


Wir nutzen Nahrung oft als Seelenstreichler, Trostpflaster, um uns zu betäuben und Aggressionen runter zu schlucken oder verbinden es mit strikten Ritualen im Familienverband, mit Schuld, wir sündigen,....

Im Ayurveda ist seit Jahrtausenden das WIE und mit welcher Haltung wir essen ein entscheidender Punkt für die Qualität einer Mahlzeit und wie wir in der Lage sein werden, sie gut zu verdauuen.


Das Essen selbst kann zu eine Form der täglichen spirituellen Praxis werden. Als als Teil der täglichen Routine will es ebenso zelebriert und bewusst gepflegt werden, wie andere Dinge, die Dir "heilig" sind, wie eine tägliche Meditation oder das Schreiben eines Tagebuchs oder eine körperpflegende Morgenroutine,....

Lass Deine Mahlzeiten zu einem feinen, kleinen Fest werden, während dem Du Deinem wundervollen Tempel, Deinem Körper, die Bausteine bringst, die ihn stärken und er sich leicht und problemlos das nehmen kann, was er gerade braucht.


Essen als ein liebevolles und segensreiches Ritual,....

1. Such Dir das richtige Plätzchen für dein Mahl

Im Stehen essend, am Handy surfend und so nebenbei den Löffel in den Mund schiebend ist gelinde gesagt suboptimal ;-). Wo und wie wir essen hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf einen gelungenen Verdauungsprozess.


Ruhig, störungsfrei, angenehm und ohne aufregende Gespräche oder Streitthematiken - am besten in Stille - wäre ein gutes Setting. In den alten Schriften, den Veden, wird dies ganz schön dramatisch formuliert: "Wenn du im Stehen isst, schaut der Tod dir über die Schulter."

Deine ganze Aufmerksamkeit sollte dem gelten, das vor Dir auf dem Teller liegt und zukünftig Teil Deines Tempels werden wird, den Bausteinen Deiner Gewebe und Zellen. Setz Dich gemütlich hin, nimm Dir Zeit.


Im Stehen essen und schon wieder auf dem Sprung sein, lässt Deinen Parasympathikus nicht so richtig aktiv werden und der ist zuständig für die Verdauung.

Mach es Dir fein, decke den Tisch schön - auch wenn Du alleine isst! - vielleicht zündest Du eine Kerze an,..... Übe das Zelebrieren mal mit einer Mahlzeit am Tag und spür den Unterschied.

2. Bereite Dein Essen in Ruhe und mit Liebe zu (...oder lass es von liebevoll zubereiten), denn diese geht ja bekanntlich durch Magen und co.

Selbst wenn Deine Mama/Dein Papa nicht im Besitz zweier Hauben nach Henri Gault & Christian Millau ist, ihr Essen schmeckt unglaublich gut, weil sie es für Dich mit Liebe zubereitet hat (....ok, und sicher auch weil Du darauf geprägt bist).

Nach Ayurveda fließt diese positive und liebevolle Energie in das Gericht hinein und das Resultat wird ein Dich auf allen Ebenen nähren. Zudem wirst du, wenn du selbst am Herd stehst, bereits eine Beziehung zu Deinem Essen aufbauen; der Duft und die Vorfreude wecken den Appetit und bringen die Verdauungssäfte schon mal in Gang.

3. Halte kurz inne, bevor Du zu essen beginnst

Ein paar tiefe Atemzüge, vielleicht ein tief gefühltes Dankeschön für die Fülle auf Deinem Teller, ein Moment der Stille bevor Du zu essen beginnst, so vermittelst Du Deinem autonomen Nervensystem, dass es Zeit für Ruhe und Verdauung ist.


Dies lässt die Enzyme fließen und Du wirst wesentlich besser verdauen. Ein traditionelles Tischgebet oder ein Mantra haben diese Wirkung und wenn es Dir entspricht, nur zu. Lass es Teil Deines Ess-Rituals werden.

4. Wenn Du gestresst, wütend, ängstlich, nervös oder traurig oder gerade in positiver Weise aus dem Häuschen bist, warte noch mit dem Essen.

Vielleicht denkst Du jetzt, ja wann esse ich denn dann? Im Schlaf? :-) Friedlich und ruhig soll Dein Geist sein. Das ist eine echte Challenge...


Vielleicht wunderst Du Dich langsam nicht mehr, dass Du nach dem schnellen, hektischen Mittagessen in der Kantine oder am Bürotisch regelmäßig unter Verdauungsproblemen leidest. Unterhaltungen oder Gedanken über die stressige Arbeit, die nervige Chefin oder unfairen Kolleginnen lassen Dein Agni auf Sparflamme köcheln.

Nimm Dir vor dem Essen die Zeit wieder in Deiner Mitte anzukommen, mach ein paar beruhigende Atemübungen, meditiere oder tu was auch immer Dich aus dem Alltagsgeschehen heraushebt und zu Dir bringt. Und wenn Dir noch nichts einfällt, das für Dich wirken mag, mach Dich auf die Suche, es lohnt sich!

5. Warm und würzig

Salat oder eine kalte Jause mit viel Brot sind Klassiker der schnellen Küche. Damit machen wir es dem Körper aber besonders schwer.


Gekocht und warm sind die Speisen leichter verdaulich und wir helfen unserem Verdauungsfeuer. Ausnahmen davon sollte man nur machen, wenn man ein richtig gutes Agni hat, viel Pitta (Feuerenergie) hat und es gerade Hochsommer ist.

Gewürze sind ohnehin mummys little helpers wenn es um die Verdauung geht. Kreuzkümmel, Kümmel, Fenchel, Kurkuma und co. sind Allrounder und tun in jedem Fall gut. Ob man Schärfe verträgt, ist wiederum vom jeweiligen Typ und auch der Jahreszeit abhängig.

6. Viel trinken ist wichtig - aber nicht zu den Mahlzeiten

Große Mengen an Flüssigkeit - vor allem kalter - lassen das Agni verlöschen und schwächen die Verdauungskraft. Ein kleines Glas mit einem warmen Getränk oder zumindest nicht eiskaltem Getränk oder auch ein Schluck Wein (gerade im kalten Winter) sind in ein gutes Maß. So verdünnst Du Deine Verdauungssäfte nicht allzu sehr.

Prinzipiell ist es auch empfehlenswert, wenn Dein Essen eine feuchte und ölige Konsistent hat. Je trockener Dein Essen ist, umso mehr Flüssigkeit kannst du zusätzlich zu Dir nehmen.

7. Bestimmte Kombinationen von Lebensmitteln solltest Du vermeiden

Ich nenn hier mal die beiden wichtigsten Beispiele; Obst sollte immer alleine gegessen werden, genauso wie Milch. Die beiden am besten immer als eigenständige Mahlzeit genießen (z.B. ein Stück Obst als Zwischenmahlzeit, Milch als Nachmittags-Chai oder Milch mit Honig vorm Schlafengehen).

8. Das Essen sollte Dir richtig gut schmecken und Dir das Wasser im Munde zusammen laufen lassen

Erst dann springen all die Verdauungssäfte und enzymatischen Prozesse an und sichern eine perfekte Aufschlüsselung der Nährstoffe. Wir sind GSD in der Lage unsere Nahrung wählen zu können und von diesem Luxus sollten wir Gebrauch machen. Freu Dich, dass Du in Deinen Tempel nur das tragen kannst, was du für würdig befunden hast.

Wenn Brokkoli nicht dazu gehört, Du ihn absolut nicht ausstehen kannst, dann iss ihn nicht. Du solltest bei allem was Du isst ein richtig gutes Gefühl haben, keinen Ekel oder Unsicherheit über die Qualität oder Zubereitung.


Dieses Gefühl von etwas haben wollen stärkt Deine inneren Säfte und Kräfte, während jegliche Form von Zweifel oder Ablehnung der Mahlzeit Botschaften über dein Nervensystem transportieren, die Deine Verdauung schwächen.

9. Gut kauen und psssst!.... rülpsen

Wenn ich abgelenkt oder gestresst bin, schlinge ich mein Essen in Rekordzeit hinunter, gerade mal so gekaut, dass eine Passage ohne akuten Erstickungsanfall möglich ist. Geht´s Dir auch manchmal so?


Ayurveda empfiehlt jeden Bissen so lange zu kauen, bis sich eine homogene Masse gebildet hat, die sich ganz leicht schlucken lässt und Du somit im Mund den ersten enzymatischen Verdauungsschritt gemacht hast. Und das dauert seine Zeit. Manche empfehlen nach jedem Bissen die Gabel abzulegen. Probier es mal aus, Dein Magen wird es Dir danken.

Apropos Magen, der sagt Dir übrigens auch exakt, wann es genug ist. Wenn Du mal ganz ganz aufmerksam isst, dann wirst Du bemerken, dass Du nach einiger Zeit ein kleines Bäuerchen machst. Dann wäre eigentlich der richtige Zeitpunkt die Gabel niederzulegen. Der Magen sollte dann zu ca. 75% gefüllt sein (optimaler Weise 50% feste, 25% flüssige Nahrung).


Es ist allerdings schon eine ziemliche Herausforderung, diesen kleinen Rülpser nicht zu übersehen ;-).

10. Nach dem Essen sollst Du ruhn....

Nach dem Nähren ist Ruhen angesagt oder - wie auch das Sprichwort sagt - oder 1000 Schritte tun - ein kleiner Spaziergang in der Natur ist auch eine feine Option.


Wenn dieser Luxus nach einer knappen Mittagspause nicht gegeben ist, dann nimm an Ruhezeit was immer Du ergattern kannst, jede stille Minute ist golden. Mit dem nächsten Essen solltest Du auch einige Zeit warten (~3 Stunden), damit Dein Agni löwenstark bleibt.


Gibt es hier eine Empfehlung, die Dich besonders anlächelt? Eine, bei der du dich besonders "ertappt" fühlst? Dann probiert doch mal, sie in den kommenden Wochen zu einer Deiner neuen Gewohnheiten zu machen. Und danach kommt vielleicht eine zweite Veränderung hinzu und eine dritte...

Hast Du Fragen? Dann poste sie gerne hier in den Kommentaren. Mahlzeit und vergiss dabei nicht das Allerwichtigste.... den sinnlichen und himmlischen Genuss!


Alles Liebe, Ulli

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