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Wie und wo wir unsere Gesundheit in den Sand setzen - Teil 2: Asatmendriyartha Samyoga

In Teil 1 unserer Serie ging es um das Wahrnehmen unserer Intuition und vor allem auch danach zu handeln, in unserem Teil 2 beschĂ€ftigen wir uns nun mit dem falschen Gebrauch unserer Sinne (auf Sanskrit Asatmendriyartha Samyoga - sag das 3x schnell hintereinander😎).

Astmaya bedeutet "nicht richtig" unsere Indriya sind die Sinne und Artha sind das, worauf sich unsere Sinne richten. Samyoga bedeutet soviel wie verbinden, koppeln, zusammenbringen.

Wir sprechen also davon, dass die Verbindung zwischen dem, was wir sehen, hören, riechen, schmecken und spĂŒren und dem, was unsere Sinne tatsĂ€chlich brauchen, nicht gegeben ist.

Wir haben ein individuelles, aber auch ein uns Menschen allen gemeinsames BedĂŒrfnis nach Stimulation der Sinne. Wir brauchen Input, um zu wachsen und uns weiterzuentwickeln, wir haben aber auch natĂŒrliche Grenzen, wenn es um unsere AufnahmekapazitĂ€t geht und vor allem unsere FĂ€higkeit die Reize auch gut zu verdauen.

Unser Gehirn ist außerdem so schlau und filtert fĂŒr uns permanent die SinneseindrĂŒcke, diese werden durch ein komplexes System geschleust und auf unbewusster Ebene wird aussortiert, was wir bewusst wahrnehmen und was erst mal weggelegt wird. Generell sind wir starke, zĂ€he und belastbare Wesen. Wenn eine Zeit uns alles abverlangt, wir unter Stress stehen und vieles auf uns einströmt, wir emotional belastet werden, dann kommt unser Agni, das innere Verdauungsfeuer, gut damit klar. Wenn auf eine Woche, die es in sich hatte, wieder eine ruhige Zeit folgt, wird diesen Prozessen Raum gegeben. Leerer Raum, damit Agni seinen Job erledigt, das Geschehene zerlegt, einordnet, speichert, entsorgt und mit dem restlichen GefĂŒge verbindet. Es wird entschieden wie das Erfahrene in unser Sein eingebunden wird. Wenn wir nun aber fortwĂ€hrend unsere Sinne weiter anfĂŒttern, sei durch eine chronisch stressige, laute, intensive Situation oder auch durch unsere Ablenkmanöver wie Entertainment via Sozialer Medien, emotional aufwĂŒhlender Serien, Katastrophen-gespickten Nachrichten in Dauerschleife oder wenn wir dem Drang nicht widerstehen können, immer mit irgendjemanden in Kontakt sein zu mĂŒssen, zu antworten, zu reagieren, dann ist das so wie wenn wir nach einem ĂŒppigen Festmahl wieder mit der Vorspeise beginnen wĂŒrden... und es wird mĂŒhsam, ungesund und unverdaubar.


Mir geht es oft so, dass ich Abends, nach einem langen Tag mit bereits einigen Bildschirmstunden, auch mal gerne zum Handy greife, um zu chatten, zu facebooken, etc. Manchmal fĂ€llt es mir dann schwer, zu fokussieren, weil meine Augen einfach schon die Nase voll haben. Dann schiele noch ich rĂŒber zur Lesebrille meines Liebsten... damit wĂŒrd's vielleicht noch gehen... Nein! Dann ist Zeit fĂŒr den Blick in die Weite (ich geh mit dem Hund eine Runde und lass meinen Blick in die Weite der Landschaft, zum Horizont, in den endlosen Himmel schweifen) oder den Blick nach Innen (Handy schlafen legen und Augen zu zur Meditation oder Nachtruhe ;-)).

Wir brauchen also ein gutes Maß an Input und an Leere, wenn das gegeben ist fĂŒhlen wir uns wohl, sind in Harmonie und in Balance.

Unsere Sinne sind superfeine Antennen, die uns ganz klar zwischen angenehm und schĂ€dlich differenzieren lassen - wenn wir dies nicht mit noch mehr Trubel und IntensitĂ€t ĂŒbertĂŒnchen und ihnen keinerlei Aufmerksamkeit widmen. Hinzu kommt, dass wenn die Reizmenge unsere Grundprinzipen (die Doshas) in Aufruhr bringt und wir aus der Balance kommen, wird es noch schwieriger, gute Entscheidungen zu treffen und sich dem zuzuwenden, was wir gerade brauchen. Je mehr wir aus der Balance sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit uns dem zuzuwenden, was uns in Wahrheit nicht guttut.


Was können wir also tun?


  • Wir dĂŒrfen aufmerksam bleiben, uns immer wieder sich in die Rolle der Beobachterin begeben und bewusst, was unsere Sinnes-Antennen empfangen.


  • Wir können lernen einzuschĂ€tzen, wann etwas zu viel oder zu wenig wird. Wann ist ein Gericht zu salzig, zu sĂŒĂŸ, zu scharf, zu bitter? Wann ist der LautstĂ€rkepegel der Umgebung zu hoch? Wo gibt es stĂ€ndig Musikgedudel im Hintergrund und man hat sich halt irgendwie daran gewöhnt? Wann ist BerĂŒhrung zu viel oder auch zu wenig? Muss ich beruflich viel Zeit auf einer App, Webseite, Bildschirmumgebung verbringen, die ĂŒberladen mit stĂ€ndig wechselnden Reizen ist?


  • Wir können bewusst eine Umgebung gestalten, die inspirierend, aber nicht ablenkend-ĂŒberladen ist und uns entspricht.


  • Wenn die Gestaltung nicht in unseren Möglichkeiten liegt, dann gilt es immer wieder zwischendurch ganz bewusst eine Umgebung mit wenig Reizen aufsuchen oder sich auch eine andere QualitĂ€t von Reizen suchen (z.B. Vogelgezwitscher im Park).


  • Und natĂŒrlich, das tagtĂ€gliche Ritual, sich in die Stille zurĂŒckzuziehen, ist Gold wert! RegelmĂ€ĂŸige Zeiten der Meditation, des RĂŒckzug und somit Entlastung der Sinne sind nicht nur notwendige Psychohygiene, sondern auch essenziell fĂŒr die Gesundheit ganz generell.


  • Pratyahara nennt man die Praxis des RĂŒckzugs der Sinne, die man zunĂ€chst mal auf der Matte ĂŒben kann und durchaus auch im Alltag bei einer Reizflut erfolgreich wie ein Schild einsetzen kann


  • Im Ayurveda gibt es die schöne Tradition unsere Sinnesorgane mit Öl zu pflegen (Nase, Mund, Ohren, Augen, die gesamte Haut), um sie zu stĂ€rken, widerstandsfĂ€hig und gesund zu erhalten (siehe Abhyanga und Nasya)



Stay wild und schau gut auf die Tore Deiner Wahrnehmung!

Deine Ulli



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